| Verhaltensforschung bei Mensch und Tier |
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Kaum ein Mensch verhält sich wie ein anderer, Charaktere und Verhaltensweisen können sehr verschiedenen sein. Und dennoch, so individuell und einzigartig jeder einzelne Mensch auch sein mag, in einer Vielzahl von Situationen reagieren alle Menschen annähernd gleich. Wo liegen die Ursachen und Wurzeln für dieses gleichartige Verhalten? Eine Frage, mit der sich Ethologen auseinandersetzen. Ethologie ist ein Teilgebiet der Verhaltensbiologie und diese wiederum wird dem naturwissenschaftlichen Gebiet der Biologie zugeordnet. Vermutlich bekannter und verständlicher als Verhaltensbiologie, dürfte der Begriff Verhaltensforschung sein. Zu den Uhrgroßvätern der modernen Verhaltenforschung zählt zweifelsfrei der Forscher Konrad Lorenz. Die Feststellung, dass der Mensch und viele höher entwickelte Tierarten auf ganz bestimmte Schlüsselreize reagieren, wie etwa dem Kindchenschema, brachte ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern ein. Zu den vorrangigen Merkmalen dieses Kindchenschemas zählen große Kulleraugen, eine vorgewölbte und leicht erhöhte Stirn, sowie Pausbäckigkeit. Merkmale, die auf Hühnerküken ähnlich zutreffen, wie auf einige Wochen alte Hundewelpen oder Menschenbabys. Letztendlich auch auf alle Plüschtiere der Spielwarenindustrie. Als unbestritten gilt, dass dieses Kindchenschema als Schlüsselreiz mehrheitlich bei Mensch und Tier ein instinktives, führsorgliches Verhalten auslöst. Dieses Kindchenschema als instinktiver Schlüsselreiz, ist nur ein Beispiel von vielen weiteren, die unser soziales Zusammenleben prägen. Seit längerem befasst sich die Verhaltensforschung intensiv mit der Frage, welche Verhaltensweisen des Menschen verallgemeinert werden können, somit einem angeborenen und instinktiven Verhalten zuzuordnen sind. So reagieren menschliche Individuen bekanntlich auch bei der Partnerwahl auf eine Reihe von Schlüsselreizen, wie die Form des Beckens. Doch gerade hier zeigt sich, dass auch Erlerntes und Erfahrungen im hohen Maße unser Verhalten mitsteuern. Ein Kind, aufgewachsen in einem Elternhaus, in dem ein harmonisches Miteinander kein Fremdwort war, wird auch diese Werte vergleichend bei der späteren Partnerwahl berücksichtigen. Ein weiterer Zweig der Verhaltenforschung wird unter dem Begriff Soziobiologie zusammengefasst. Die Soziobiologie befasst sich eingehend mit dem Zusammenleben von Mensch und Tier in Sozialverbänden. Beginnend beim Fischschwarm oder Insektenstaat, bis zu Rückschlüssen auf das Gruppenverhalten des Menschen. Abschließend lässt sich sagen, die Verhaltensforschung ist keine trockene Wissenschaft und nur einigen wenigen vorbehalten, sondern bietet auch dem wissenschaftlich orientierten Laien, vor allem durch Beobachtungen im Tierreich, noch ein breites Betätigungsfeld. Horst Müller |
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