Preisanstiege bei Discounter - Aldi & Co. bereiteten (sich) geschickt vor

Wirtschaftsforscher sagten schon lange voraus, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte von 16 auf 19% einhergehen wird mit einem Konsumeinbruch im anschließenden ersten Quartal. Was langfristig mehr für die Staatsfinanzen bringen soll, geht damit zuerst einmal zu Lasten des Einzelhandels, denn die Verbraucher werden aller Voraussicht nach die erforderlichen Preissteigerungen mit Konsumzurückhaltung und -verweigerung quittieren. Jedoch wissen bereits bestimmte Handelsgruppierungen, sich geschickt darauf vorzubereiten.

 

Discounter nutzten bei der Euphorie vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft die Gunst der Stunde und hoben zum vorgezogenen Zeitpunkt heimlich, stil und leise die Preise an.

Die WM als einmaliges Großereignis in Deutschland wirkte sich ohne Zweifel ungeheuer positiv auf das Verbraucherverhalten aus, so dass zu diesem Moment auch leichte Preiserhöhungen zu verkraften waren, ohne dass es jemanden wehtat oder darüber klagte. Und nach der Einführung können Aldi & Co. nun wahnsinnig werbewirksam sagen: „Bei uns sind die Preise trotz Mehrwert­steuer­erhöhung gleich geblieben!“ Das Resultat wird sein, dass die Verbraucher noch mehr in die Discounter strömen und es dort sicherlich nicht zu dem prognostizierten Konsumstau und -blockaden in der Übergangszeit kommen wird.

 

Kurz ein paar vertiefende Fakten zu diesem Phänomen:

 

Gänzlich verschont von höheren Preisen werden Lebensmittel-Artikel, Tiernahrung sowie Zeitungen, Zeitschriften und Bücher bleiben, da sie dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent unterliegen und dieser nicht erhöht wird. Berichtet über die verfrühten Preisanhebungen bei Discountern hat das Nachrichtenmagazin „Focus“, welches sich wiederum auf Untersuchungsergebnisse des Kölner Diensts „Preiszeiger“ beruft.

 

Aldi startete daraufhin eine Erklärungskampagne mit dem Versuch, sich von diesen Behauptungen zu distanzieren. Dabei schiebt der führende Discounter die erfolgten Preisanhebungen auf gesteigerte Energiekosten und versprach mit dem Slogan „Aldi friert die Preise schon heute ein.“ tatsächlich bereits zu diesem Zeitpunkt, dass es keine Preiserhöhungen wegen höherer Mehrwertsteuer (mehr) geben wird. Sicherlich muss man Aldi zugute halten, dass wirklich zu einer Zeit an der Preisschraube gedreht wurde, als Öl-, Strom- und Gaspreise stiegen. Zudem wurden auch Preise von Lebensmittel wie Säfte, die nicht von der Mehrwertsteuererhöhung betroffen sind, verändert. Allerdings bleibt etwas kurios, gleichzeitig die große Ankündigung machen zu können, dass es keine höheren Preise wegen der Mehrwertsteuererhöhung geben wird.

 

All dies lässt sich jedoch wie folgt erklären: Die Gewinnmargen bei Discountern und Supermärkten sind sehr gering. Händler und Hersteller können hier nicht einfach auf 3% verzichten, wenn die gesamte Eigenkapitalrentabilität in diesem Segment bei weit weniger als 3% liegt und nur die Menge den Gewinn macht. Zugleich müssen die psychologisch wichtigen Schwellenpreise gehalten werden. Ein Produkt für 1,99 Euro lässt sich nicht mit dem Preis 2,05 Euro verkaufen. Darum wird es allem Anschein nach auf eine Mischkalkulation hinauslaufen, bei der dann - wie bereits bei Aldi beobachtet - auch Produkte erhöht werden, die eigentlich dem ermäßigten Steuersatz unterliegen. Mit diesem Kunstgriff wird sich der Einzelhandel arrangieren, die tatsächlichen Preiserhöhungen so gering zu halten, dass sie so gerade wieder das alte Geschäftsergebnis erreichen. Die Strategie hat jedoch auch zur Folge, dass die Erhöhungen nicht - wie eigentlich von der Politik beabsichtigt - nur den Luxus-Konsumenten sondern ebenso den Verbraucher des täglichen Bedarfs treffen und somit die gesamte Teuerungsrate steigert.

 

Neben Discounter und Supermärkten nutzten im Vorfeld auch einige Autohersteller und -händler die vorherrschende Verbraucher-Fokussierung auf die Mehrwertsteuer und führten deren Weglass, was im Grunde ein Rabatt/Nachlass mit den entsprechenden Prozentpunkten bedeutet, als zusätzliches Verkaufsargument an.

 

Ganz gleich wie es insgesamt weiter geht - mit „angebote.info“ ist man jederzeit bestens über aktuell erscheinende Angebote von sämtlichen Shops und Discounter informiert. Das Informationsportal bietet u.a. zwei grafische Angebotspläne - einen allgemeinen und einen übersichtlicheren nur für Discounter-Angebote. Als Unterstützung zur Einkaufsplanung erhält man einen komfortablen Überblick, an welchen Wochentagen bei den wichtigsten Anbietern neue Angebote erscheinen. Durch das Klicken auf ein bestimmtes Logo oder Symbol kann man von dieser zentralen Stelle aus direkt zu den einzelnen Offerten navigieren und verfügbare Prospekte in elektronischer Form einsehen. Damit ist man sodann auch nicht mehr auf eine eMail- und Papiersammlung der herkömmlichen Angebotsblätter angewiesen. Die Übersichten werden ergänzt von aktuellen Informationen rund um Angebote von Discountern, Supermärkten, Shops und dem Versandhandel.

Jürgen Markard

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