Interview: Eine neue Dimension der femininen Schönheit - Magische Größe XS
Albert Metzler:
Frau Ridder, als erfolgreiche Modeschöpferin und Performance Coach bevorzugen Sie das Thema der femininen Schönheit. Warum ausgerechnet ein Frauenthema? Warum und was bedeutet XS?
Annette Ridder:
Die Entwicklung der Frau hat einen rasanten Wandel hinter sich. Worte wie Emanzipation klingen noch vielen in den Ohren und mit ihnen tauchen Erinnerungen auf an Frauen, die schlimmstenfalls in lila Latzhosen gekleidet waren. Frauen zogen im übertragenen Sinne Hosen an. Leider „legten“ sie damit auch viel Weiblichkeit „ab“. In meinen Augen ein großer Verlust. Nicht nur die Gesellschaft ist des Weiblichen verlustig gegangen, sondern auch die Frauen selbst, da sie einen großen Teil ihrer selbst verleugn(et)en. In unseren Breitengraden wurde das verführerisch Sinnliche, wie es etwa in Frankreich selbstverständlich ist, selten, in intellektuellen Kreisen war es lange gar nicht aufzufinden.
Für mich war beides, Weiblichkeit und selbstbewusstes Standing, nie ein Thema, nie ein Widerspruch, sondern beides Selbstverständlichkeit. Aber heute tragen Frauen im Business überwiegend an Männerkleidung angelehnte Mode: dunkle Hosenanzüge in gediegenen Nadelstreifen, starr strenge Blazerjacken. Kostüme sind meist „damenhaft“ und entweder züchtig oder gerade mal „nett“, statt kurvig rund weich und sinnlich. Das alles hat für mich mit Weiblichkeit, geschweige denn mit femininer Schönheit, die für mich einen hohen Wert darstellt, nicht viel zu tun.
Für mich bestand die erste Herausforderung darin, feminine Mode zu entwerfen, die unmissverständlich selbstbewusst und sexy zugleich ist. XS – das war die zweite Herausforderung: Dies nämlich auch in den kleinsten Damengrößen zu realisieren. Und klein heißt bei mir, unterhalb der gängigen Normgrößen: ab Größe 32 für eine Körperhöhe ab 1,54 m bis 1,62 m. So dass auch äußerlich „kleine“ und zierliche Frauen in den Genuss von femininer Mode kommen und sich als Frau schön fühlen und Sinnlichkeit auskosten und ausdrücken können.
Albert Metzler:
In welchem Verhältnis steht unsere äußerliche Erscheinung zu unserem inneren Selbst? Was bedeutet in diesem Sinne die Stimmigkeit der Emotionen?
Annette Ridder:
Innen und außen sind im Idealfall eins, das ist Ausstrahlung at it’s best. Das ist „stimmig“, wir sind im Einklang mit uns selbst und wir bekommen dann viel „Resonanz“. Alles ist Klang: Farben und Formen wirken immer nach innen, ausnahmslos. Das kann man bewusst nutzen. Und das tut unbewusst jeder: Ist man betrübt, helfen neue leichte Stoffe in frischen Farben und die „Seele atmet erleichtert auf“.
Meist wird das innere Selbst jedoch „ab- und zugedeckt“, wartet manchmal lange darauf „entdeckt“ zu werden. Abgedeckt wird zum Beispiel mit Fremdbildern. Nachahmer schlüpfen in Fremdbilder und heraus kommen „me-too-Produkte“.
Interessant ist, dass ich von außen auf die „Selbst-Entfaltung“ einwirken kann, so wie ich dass in der Persönlichkeitsentwicklung von innen mache. Sich anders fühlen = anders denken, anders handeln. Als Performance Coach setze ich beispielsweise auch mal „den Hebel“ außen an, wenn es darum geht, das Selbst-Bild intuitiv zu erweitern. Denn damit bin ich automatisch beim „Gefühl“, weil derjenige sich nicht nur anders sieht, sondern sich anders erlebt. Und genau darum ist mir diese Arbeit als Coach genauso wichtig. Denn ich helfe Menschen, sich selbst (wieder) zu entdecken.
Mode erlaubt, heute schon in die Haut desjenigen zu schlüpfen, der ich morgen erst sein werde. Damit wird auch klar, wie wichtig es ist, von Zeit zu Zeit die alte „zweite Haut“ abzulegen und neue Styles auszuprobieren. Wenn wir uns verändern, „passt“ uns vieles nicht mehr, wir wachsen auch als Erwachsene aus unseren Sachen heraus. Das liegt nicht nur daran, dass Kleidung unmodern geworden ist. Wir sind den Sachen von innen her entwachsen.
Albert Metzler:
Welche Rolle spielt dabei die Erotik? Wie wird das von der Umgebung bzw. Gesellschaft wahrgenommen?
Annette Ridder:
Wenn Erotik als natürlicher Ausdruck aus dem Inneren kommt, sie so richtig schön verpackt ist, „macht das immer und ausnahmslos an“. Und zwar Männer wie Frauen gleichermaßen. Männer genießen und Frauen bewundern das. Das ist Lebens„lust“.
Wird Erotik als Reizmittel eingesetzt, was auch völlig legitim ist, dann erzeugt das Konkurrenzgebaren, Wettbewerb und Vergleich. Ebenfalls bei beiden Geschlechtern.
Beides sind aber letztlich Spielformen, „Gesellschaftsspiele“. Wenn man sich erlaubt, zu spielen – und leben heißt spielen, kann man immer wieder neue Seiten an sich entdecken und in neue Rollen schlüpfen. Dank der Mode kann man diese Rollen auch ausstatten, wie es einem gerade gefällt.
Albert Metzler:
Wie lässt sich diese magische Wirkung erklären?
Annette Ridder:
Schönheit hebt immer das eigene Energieniveau. Wenn wir uns als schön erleben, sind wir automatisch „attraktiv“, d.h. wir ziehen „entsprechende“ Gegenstücke an. Ein unumstössliches Naturgesetz.
Geschlechterspiele sind außerdem die schönsten Spiele überhaupt. Ob als Flirt im Vorübergehen auf der Straße oder als leidenschaftlich getanzter Tango am Abend. Wir fühlen uns energetisch aufgeladen, einfach ungeheuer lebendig.
Menschen suchen immer die Nähe derjenigen, die Schönheit, Erfolg und Lebenslust „verströmen“, denn da pulsiert und spielt das Leben.
Albert Metzler:
Wie entsteht ein persönlicher und individueller Stil? Welche Wirkung übt er auf unsere Persönlichkeit aus? Warum?
Annette Ridder:
Ein eigener Stil entwickelt sich in der Regel, er wächst bei den meisten Menschen in einem mehr oder weniger bewusst erlebten Prozess über Ausprobieren.
Stil setzt einerseits Selbst-Klarheit voraus: So bin ich. So will ich sein und vor allem so will ich wirken. Und andererseits brauche ich gestalterisches Wissen: Was passt zu mir und was steht mir nicht? Und warum steht es mir nicht?
Könner setzen dieses „Ich bin“ und die beabsichtigte Wirkung gezielt in Formensprache um. Sie demonstrieren damit auch bewusst Andersartigkeit oder Zugehörigkeit, Randständigkeit wie Mittelpunktstreben.
Die Wirkung? Man fühlt sich wohl, erlebt sich als echt, authentisch und vor allem als sehr eigenständig und unverwechselbar. Ein Stil kann einen hohen Wert erzeugen, der wieder Nachahmer findet, was den Eigenwert steigert und einen Menschen bis zur Ikone hochstilisieren und verklären kann.
Ein eigener Stil sorgt in jedem Fall für starke Auftritte, denn er drückt mich in einer Weise aus, wie es mir mit noch so vielen Worten nie gelingen wird. Er macht mich einzigartig und zu etwas ganz Besonderem. Und das nimmt jeder intuitiv wahr.
Ganzheitlich betrachtet ist ein persönlicher und individueller Stil vor allem Liebe zu sich selbst und Huldigung an das Leben.