von scheintoten, doppeldeutigen und neuen Begriffen

In dem von mir bevorzugten Kunst-Bedarfshandel stand vor mir eine junge Dame und sagte dem Verkäufer, was sie gerne zu kaufen beabsichtigte: "Einen Keilrahmen zum Bemalen mit Komplementärfarben, die Risse bilden sollen". Ich drehte auf dem Absatz um, um erstmal einen Kaffee trinken zu gehen. Nicht so sehr, weil ich meine Erheiterung nicht zeigen wollte, sondern weil ich wusste, dass es länger dauern würde, bis ich den Verkäufer zur Verfügung hätte.

Wissen und Erfahrungen scheinen ein kostbares Gut geworden zu sein, wie wohl alles, das man sich erwerben - aber nicht kaufen kann. Hätte die junge Dame eine Chance gehabt, sich ein wenig mit dem angestrebten Vorhaben auseinanderzusetzen, wäre ihr sicher klar gewesen, dass man in der Regel die Leinwand statt des Rahmens bemalt, dass jede Farbe eine Komplementärfarbe - in Bezug zu einer anderen Farbe - ist, womöglich hätte sie auch gewusst, wie man Risse in der Farbe erzeugen oder verhindern kann - womöglich sogar auf Anhieb den Unterschied zwischen Frühsprungbildung und Spätsprungbildung ausgemacht.



Viele Begriffe mit denen wir es täglich zu tun haben sind doppeldeutig, aus der Mode geraten, oder ganz neu im Zuge eines Trends oder einer Entwicklung in unser Leben getreten. Bei anderen Begriffen wurde die Anwendung verschoben - manchmal in das Gegenteil der eigentlichen Wortwurzel.

Nicht jeder weiß auf Anhieb was sich hinter den Begriffen "Giclee", "Algraphie" oder dem "Ätzgrund" verbirgt. Oder was eine Skulptur von einer Plastik unterscheidet.

Die Kunst-Begriffserklärung will hier einen kleinen Beitrag leisten, die oft sehr fachspezifischen Ausdrücke zu erläutern.

rosamertens(at)aol.com

Rosa Mertens

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