Malerei mit groben Pinseln

In der Malerei - besonders auf sauber mit Kreidegrund in mehreren Durchgängen grundierter und geschliffener Leinwand, aufgezogen auf stabilem, doppeltem Keilrahmen mit Querverstrebung - ist eine rustikale, aus dem Körper kommende Malweise nicht ungewöhnlich. Die feinen Maler-Pinsel aus Dachs-, Marder- oder Rehhaar wird man hier nicht im ersten Malgang vermuten. Die Künstler nutzen für die Malerei auf großen Bild-Formaten und stabiler Keilrahmen-Konstruktion gerne auch handelsübliche breite Pinsel aus dem nächsten Baumarkt.

Eine Bedingung müssen diese Pinsel aber erfüllen, sie dürfen nicht "Haaren", das heißt, sie sollen beim Malvorgang auch mit zäher Farbe nicht eine Borste auf dem Bild verlieren. Diese "verlorenen Borsten" sind häufig bei der Arbeit am Bild in der Struktur der aufgetragenen Farbe nicht zu erkennen, zeigen sich erst bei einer Eintrocknung der Farbe, und besonders dann, wenn eine dünnflüssige Farbsubstanz einen Farbverlauf erzeugt.

Ein wesentlicher Teil der Malerei liegt also hier in der gewissenhaften Vorbereitung: die Pinsel müssen getestet und bearbeitet werden. Nach einem ersten Trocken-Test auf grober Jute, auf der die Pinsel die ersten Borsten verlieren, werden sie mit zäher Kunstharz-Farbe konfrontiert, die dann auf Holz oder verworfene Bilder gestrichen wird. Hier werden noch Borsten abgegeben, und der Pinsel wird solange ausgestrichen, bis er trocken ist, und dann mit den Spitzen der Borsten in Wasser gestellt. Das sorgt dafür, dass die Spitzen der Haare nicht verkleben, aber die Ansätze der Haare durch das am Bund versammelte Kunstharz gebunden werden. Mit diesen Pinseln - die durch die Bearbeitung zusätzlich einen eigenen Charakter bekommen - ist ein Malen auch mit fettester Ölfarbe möglich, ohne einen Kontrollgang mit der Pinzette durchführen zu müssen.

Malerei mit groben Pinseln und feinen Besen

Abstrakte Kunst im Kontext

Rosa Mertens

rosamertens(at)aol.com

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