| Die Seine- Insel „Saint Louis“ in Paris |
|
Die romantische „Ile Saint Louis“ im Herzen der Stadt bestand bis zu Beginn des XVII. Jahrhunderts aus zwei unbebauten und voneinander getrennten Inseln, der „Ile- aux- Vaches“, benannt nach den hier weidenden Kühen, und der „Ile- de- Notre- Dame“. Beide gehörten zum Domkapitel. Im Jahre 1614 beauftragte die königliche Brückenbaubehörde den Bauunternehmer Christophe Marie mit der Bebauung. Die beiden Inseln wurden mit einer Kaimauer zusammengefasst, zwei Brücken zu den beiden Ufern errichtet und das Innere nach dem noch heute bestehenden Schema bebaut. Le Regrattier und Poulletier, nach denen Strassen auf der Insel benannt sind, beteiligten sich als Finanziers. Die Kirche wehrte sich in einem bis 1642 andauernden Rechtsstreit gegen dieses Projekt. Marie stellte die zunächst mit Häusern bebaute Brücke, die die Insel mit dem Marais verbindet und die noch heute seinen Namen trägt,1635 fertig. Die Bebauung des Inneren der Insel wurde cirka ab 1618 mit Häusern für Handwerker und Kaufleute begonnen. Die Adeligen begannen den Bau ihrer Stadtpalais, den so genannten „Hôtels particuliers“, entlang der Kais erst ab 1638, als sich das Ende des Rechtsstreits mit dem Klerus abzeichnete. Als Baumeister trat insbesondere Louis Le Vau in Erscheinung, einer der ganz grossen Architekten des XVII Jahrhunderts, der unter anderem das Schloss von „Vaux- le- Vicomte“, Teile des Louvres und das „Collège des quatre Nations“ („Institut de France“) mit seiner wunderschönen Kuppel erbaut hat. Hier konzipierte er das stattliche Palais „Hôtel Lambert“, - 2, rue Saint Louis en l’île - welches vom königlichen Berater „Jean-Baptiste Lambert de Thorigny“ in Auftrag gegeben wurde und in den Jahren 1640 bis 1642 entstand. Hinter einem schlichten Portail verbirgt sich der elegante Ehrenhof, der „cour d’honneur“, an den sich ein repräsentativer Haupttrakt mit üppigen Treppenhaus anschliesst. In einem vornehmen Galerieflügel mit Blick über die Seine befindet sich ein bedeutendes Deckengemälde des Louvremalers Charles Le Brun. Das zweite von Le Vau erbaute Palais ist das direkt am Seinekai liegende „Hôtel Lauzun“ - 17, quai d’Anjou, bei dem, entgegen der Pariser Tradition, der Haupttrakt nicht zwischen „Ehrenhof und Garten“, sondern direkt über der Seine angelegt wurde. Das Palais gehörte später der Familie Richelieu. Im XIX. Jahrhundert wohnte hier Théophile Gauthier und unterhielt einen Literatenzirkel, dem auch Charles Baudelaire angehörte. Wer heute auf der Insel entlang der Kais promeniert, kann die unzähligen, geschichtsträchtigen Stadthäuser mit den prächtigen Fassaden bewundern. Wer etwas genauer hinsieht, kann sehr leicht die von Adeligen in gemeisselten Sandstein errichteten Stadtpalais mir ihren repräsentativen Portalen von den architektonisch einfacher gehaltenen Bürgerhäusern mit ihren weissen Putzfassaden unterscheiden. Schöne Bilder von der Insel kann man hier auf der Bildergalerie ( auf « Les iles » klicken) betrachten : http://www.khs.fr/Q-4iles.cfm Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit hat auch der junge Mozart die Insel besucht, als er 1763/64 mit seiner Familie beim Bayerischen Gesandten in dessen Residenz, dem nahen „Hôtel Beauvais“, 68, rue François Miron, Paris 4è zu Gast war. Die Insel ist trotz der unzähligen Touristen eigentlich ein Wohngebiet und hat sich ihren Charme bewahrt. Sie verfügt über eine erstklassige Infrastruktur mit Läden, die alle Bedürfnisse des täglichen Lebens abdecken. Weitere, sehr schöne Fotos von Paris gibt es auf der folgenden Galerie, - ‘Impressions Paris’ klicken : Karl- Heinz Schabmüller khs[ät]khs.fr |
| < zurück | weiter > |
|---|