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Speziell
in Deutschland bedienen viele Firmen das Bedürfnis nach
fragwürdiger „Diabetiker-Kost“. Zwangsweise
etablierte standardisierte Beratungsprogramme, sogenannte „Chroniker
Programme“ liefern nur minimale Inhalte, erschöpfen aber
den Beratungselan der Betroffenen. Der Diabetiker wird zudem als
normaler Verbraucher und meist sogar kochender Familienvorstand wie
alle Bürger gebeutelt von den Schreckensmeldungen der
Freveltaten der Nahrungsmittelindustrie von Gammelfleisch bis
Gentechnik. Wo steht hier der Arzt und Ernährungswissenschaftler
oder Diätassistent? Wichtig ist, dass die Ernährungsempfehlungen
für Menschen mit Diabetes auch der Allgemeinbevölkerung zur
Erhaltung der Gesundheit empfohlen werden. Deshalb sollte sich die
Nahrung für Diabetiker nicht wesentlich von der unterscheiden,
die für die ganze Familie empfehlenswert ist. Komplettes Stillen
während der ersten Lebensmonate kann das Risiko der Kinder für
die Entstehung eines Typ 1 Diabetes verringern. Es ist erwiesen, dass
die Vermeidung von Übergewicht das Risiko zur Entwicklung eines
Typ 2 Diabetes vermindert. Diabetiker, die bereits normgewichtig
sind, benötigen keine spezielle Empfehlung für ihre
Kalorienzufuhr. Übergewichtige Diabetiker benötigen jedoch
besondere Beratung, wie sie eine fettärmere und
ballaststoffreichere Kost im täglichen Leben realisieren können.
Die besagten Standardschulungen reichen hier keineswegs aus.
Wunderdiäten für Diabetiker gibt es nicht und spezielle,
industriell designte „Lebensmittel für Diabetiker“
braucht niemand. Statt dessen benötigen sie eine persönliche
Beratung durch Ernährungsprofis nach vorangegangener Erhebung
einer strukturierten Ernährungsanamnese, orientiert nach genauer
Festlegung der Diagnosen an den therapeutischen Möglichkeiten
und den speziellen Vorlieben des Diabetikers. Dies kann nur durch
geschulte Ärzte, spezielle Ernährungsfachkräfte und
Diabetesteams erfolgen. Zu den einzelnen Bestandteilen der Nahrung
ist viel geforscht und publiziert worden. So muss zum Schutz der
Nieren mit tierischen Eiweißlieferanten sparsam umgegangen
werden und durch Bevorzugung pflanzlicher Eiweißquellen
gleichzeitig gesättigte Fette reduziert werden. Der Zuckergehalt
in vielen Nahrungsmitteln ist für die Stoffwechseleinstellung
des Diabetikers oft das viel geringere Problem als der zumeist
gleichzeitig enthaltene hohe ungünstige Fettanteil. Öle,
wie zum Beispiel Rapsöl, Leinöl, Erdnußöl und
Haselnußöl, haben einen hohen Anteil an einfach
ungesättigten Fettsäuren, die ohne Nachteil großzügig
genutzt werden können. Fetthaltige Nahrungsmittel mit günstigem
Fettsäuremuster (Erdnußbutter, Macadamianüsse,
Mandeln, Avocados und Oliven, Hering, Lachs, Makrelen und Thunfisch
sowie grünblättrige Gemüse) helfen, eine angemessene
Aufnahme der gefäßschützenden günstigen
Omega-3-Fettsäuren sicherzustellen. Natürlich muss die
Beratung dann auch die Fragen ökologischer Produktion und
Fangmethoden, Bestandschutz und Nachhaltigkeit erfassen. Angesichts
der erwiesenen Qualitätsunterschiede ein bisher sträflich
vernachlässigter Bereich! Eine höhere Ballaststoffaufnahme
ist bei Diabetikern mit einem geringeren Risiko für
Herz-Kreislauferkrankungen verbunden, wovon sowohl Blutzucker- und
HbA1c-Werte sowie Blutfette profitieren. Mikronährstoffe
spielen beim Schutz vor oxidativem Streß, der durch die
Reaktion freier Radikale entsteht, eine wichtige Rolle. Den Vitaminen
E (±-Tocopherol), Vitamin C (Ascorbinsäure) und dem Pro-Vitamin
A (²-Carotin) kommen hierbei besondere Bedeutung zu. Fünfmal
pro Tag eine Portion Gemüse und/oder frisches Obst, gelegentlich
ein paar Nüsse und die Zubereitung von Speisen unter der
Verwendung von pflanzlichen Ölen, sind ein wichtiger Schritt zur
ausreichenden Vitaminversorgung des Diabetikers. Regelmäßige
Aufnahme von Lebensmitteln mit rasch bioverfügbaren Folaten
hilft, einen angemessenen Folatstatus sowie ausreichende
Homocysteinspiegel im Blut sicherzustellen, um das Risiko für
Herzgefäßerkrankungen zu mindern. Weiter kontrovers ist
die Rolle des Alkohols. Der angebliche Nutzen kleiner, erwünschter
Mengen pro Tag steht erwiesenen Schäden und speziellen
diabetologischen Risiken gegenüber. Kein Diabetiker muss Alkohol
aus Gründen der Gesundheit zu sich nehmen. Eine zeitgemäße
Ernährungsberatung für Diabetiker muss ganzheitlich und
individuell sein und darf sich nicht im „Absingen“ vorgefertigter
Schaubildchen und Schulungsprogramme erschöpfen. Diese mögen
eine minimale Grundversorgung garantieren, werden jedoch den Fragen
der Betroffenen und der Komplexität der Ernährungswelt
nicht gerecht. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift kann kostenlos
unter der URL
http://www.ernaehrungsmed.de/download/pdf/diaita_Nr.2_012006.pdf
downgeloadet werden.
Inhaltsverzeichnis
der aktuellen Ausgabe: 1.
Editorial 2. Im
Fokus: Diabetes mellitus 3.
Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus 4.
Diätetik News 5.
Diaita-Intern 6.
Diätetik – Vorgestellt 7.
Diätetik – Bücher 8.
Vorprogramm zum 3. Internationalen Diätetik Kongress vom 17. bis
18. Juni 2006 9.
Faxantwort – Service für Leser und Journalisten |