Schönheitswahn

Ob man für diese Feststellung eine Studie braucht, ist ein wenig fraglich, denn es ist doch nicht verwunderlich, dass unsere Gesellschaft zu solchen Ergebnissen kommt, wenn in jeder Fernsehzeitung ein Vor-einiger-Zeit Bild irgendeines Stars zu sehen ist, auf dem er (bzw. eigentlich noch treffender sie) noch nicht so dünn ist wie Jennifer Aniston. Oder wenn in jeder Mädchenzeitschrift ein neuer, garantiert-in-zwei-Wochen-schlank Diätplan eingeheftet ist. Oder wenn schon die Eltern anfangen, die neue Obstdiät auszuprobieren, die schon in der Klatschzeitung steht. Ja, wenn man im Fernsehen nur Mädchen und Frauen sieht, bei denen die Topmaße von 90-60-90 mittlerweile auf die Hälfte reduziert wurden – zumindest was die Taille betrifft, dann wundert es doch eigentlich nicht, dass schon Zweitklässlerinnen meinen, sie wären zu dick.

Ganz abgesehen davon, dass es natürlich auch in Deutschland dicke Menschen gibt, und Fettleibigkeit, ob gewollt oder ungewollt, nun mal einfach nicht gesund ist, zugegebener weise nicht attraktiv aussieht und unsportlich ist, kann man doch schon behaupten, dass wir doch auch wieder nicht SO eine dicke Nation sind.

(Im Vergleich zu den USA, und selbst da sind mir zumindest nicht so viele dicke Leute begegnen wie hierzulande dünne Leute, die behaupten, sie wären zu dick.) Und lustigerweise sind diejenigen, die die ganze Zeit vom Abnehmen reden, nicht einmal die, die es vielleicht nötig hätten, sondern Mädchen, die nur einen ganz normalen Körperbau haben. (Ich will nicht diskriminierend sein, das Phänomen tritt auch bei Männern auf, aber Magersucht ist und bleibt nun mal eine Frauenkrankheit – das kann nun einmal jede Statistik bestätigen.) Außerdem sind Diäten gar nicht einmal der beste Weg zum Abnehmen – Sport und nicht ganz so viele Zwischenmahlzeiten helfen schon enorm. Aber das ist wieder ein anderes Thema
Jesko Habert, derjesko[at]arcor.de

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