Schmerzreduktion - besserer Umgang mit Schmerzen
Schmerz ist eine Erfahrung, die jeder Mensch macht, die er, wie wir heute wissen, schon in den ersten Minuten seines Lebens, ja schon vor seiner Geburt, erlebt. Schmerz zu erfahren, gehört unabdingbar zum Leben, obwohl Schmerz unangenehmen ist, ist er dennoch ein Hüter unserer Gesundheit. Ohne die Fähigkeit, Schmerz zu erleben, würden wir uns ohne Angst in Gefahren begeben, häufig Unfälle erleiden und uns damit selbst Schaden zufügen. Schmerz aber hat nicht nur eine Warnfunktion, ist auch Qual, Leiden und Pein und macht Menschen an Körper und Seele krank. Dieser Vortrag möchte Ihnen neuste Erkenntnisse zum akuten und chronischen Schmerz vermitteln, erklärt die unterschiedlichen Schmerzarten, die Schmerzmechanismen bei verschiedenen Schmerzen und führt ein in die verschiedenen Schmerzreduktionsstrategien und –techniken.

Jeder Mensch weiß, was Schmerz ist, und wie weh er tun kann. Aber jeder hat auch andere Empfindungsqualitäten und Ausdrucksmöglichkeiten.
Oftmals ist es schwierig, genau zu beschreiben, was einen quält. Manchmal tut etwas nur kurze Zeit weh, z. B. wenn man sich gestochen hat. Dann wiederum bleibt der Schmerz längere Zeit bestehen, und es tritt die Frage auf, wo seine Ursache liegt. Und eine Reihe von Menschen hat ständig Schmerzen, deren Ursprung über Jahre hinweg nicht erkannt werden konnte.

Lange Zeit war es wissenschaftlich schwierig nachzuweisen, wie Schmerzen entstehen.

Inzwischen gibt es verschiedene Erklärungsansätze, in die sich aber ein einzelner Mensch nicht wie in eine Schablone pressen lässt. Schmerz ist und wird immer ein individuelles, auch durch Lebenserfahrung und Persönlichkeit geprägtes Erlebnis sein. Und ebenso individuell muss die eingeleitete Therapie sein - eine Forderung, die hohe Ansprüche an Ärzte/innen, PsychologenInnen und die PatientenInnen selbst stellt.

Wenn wir Schmerzen empfinden, spielen viele verschiedene und komplizierte Abläufe im Körper zusammen. Die Darstellung des Schmerzgeschehens ist deshalb an dieser Stelle nur sehr vereinfacht möglich. Wichtig ist die Erkenntnis, dass Schmerz keine spezielle Sinnesleistung wie Hören oder Sehen ist, sondern ein körperlich-seelisches Erlebnis.

Normalerweise entstehen Schmerzen, wenn Organe, Gewebe oder Nerven geschädigt sind. Aber der Schmerz ist nicht einfach nur eine Botschaft, die dadurch an das Gehirn übermittelt wird - ähnlich wie bei einer Klingelknopfanlage (die Verletzung entspricht dem Klingelknopf, der Nerv der Klingelleitung und das Gehirn der Glocke). Die auf dieser Annahme basierenden Theorien sind an sich nicht ganz falsch, aber viele Fragen lassen sie offen.

Warum ist in bestimmten Situationen Schmerz leichter zu ertragen als in anderen, auch wenn es sich um den gleichen Auslöser handelt? Warum empfinden Menschen den gleichen Schmerzreiz unterschiedlich und wieso gibt es Schmerzen, die keine organische Ursache haben?

1965 entwickelten Melzak und Wall ihre so genannte Gate-Control-Theorie (Schleusen- oder Tor-Kontroll-Theorie). Diese Theorie beruht auf der Annahme, dass es im Rückenmark eine Art Tor gibt, das sich öffnen kann, um bestimmte Schmerzbotschaften passieren zu lassen, sich aber auch schließen kann, um sie zu blockieren. Wie weit dieses Tor sich öffnet, wird nicht nur von der Stärke der Schmerzimpulse beeinflusst, sondern auch von Befehlen höherer Schmerzzentren im Gehirn.

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