Legasthenie vorbeugen - wie man schon im Vorschulalter etwas gegen Legasthenie tun kann

Es dauert nicht mehr lange und dann ist es soweit: der erste Schultag! Stolz und zuversichtlich gehen die meisten Kinder an diesem Tag aus dem Haus. Ein neuer Lebensabschnitt fängt an. Endlich können sie lesen, schreiben und rechnen lernen. Doch schon nach einigen Wochen sieht für manche Erstklässler die Welt wesentlich komplizierter aus. Die ersten Misserfolge im Lesen und Schreiben dämpfen die anfängliche Begeisterung. So haben sie sich das aber nicht vorgestellt!

Inzwischen weiß man, dass es Möglichkeiten gibt, um die Kinder optimal auf die Schule vorzubereiten. Einige werden jetzt empört aufrufen: "lasst doch die Kinder, Kinder sein. Der Ernst des Lebens fängt noch früh genug an!"

Natürlich, Kinder sollen so lang möglich Kinder bleiben. Niemand will die Kleinen schon im Kindergartenalter zu Höchstleistungen anspornen. Nein, es geht vielmehr darum die Kinder frühzeitig, spielerisch an die Buchstaben heranzuführen.

Der Schuleintritt stellt nämlich im Hinblick auf das Lesen und Schreiben lernen nicht die "Stunde Null" dar.

Vor allem Kinder, die eine Reifungsverzögerung haben, können später Schwierigkeiten mit Lesen und Schreiben haben und eine Legasthenie entwickeln. Man weiß heute, dank vieler Forschungsarbeiten, dass diese Kinder schon im Vorschulalter bestimmte Reifungsverzögerungen aufweisen.

Sie haben z.B. im Alter von zwei immer noch einen Wortschatz unter 100 Wörtern und sprechen noch nicht in Mehrwortsätzen; sie haben Schwierigkeiten beim Erkennen von Reimen und Silben; Eltern oder Geschwister haben ebenfalls Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben, da Vererbung eine große Rolle spielt; sie können einzelne Buchstaben nicht aussprechen und weisen eine allgemeine Verzögerung bei der Sprachentwicklung auf.

Manchmal können diese Bereiche spontan nachreifen, aber das Risiko, dass das Kind einer "Versagerkarriere" entgegen geht, ist groß. Wer nicht richtig lesen und schreiben kann, bekommt große Problem in der Schule und später in der Berufswelt - auch wenn er/sie noch so viele andere Talente besitzt.

Am Psychologischen Institut der Universität Würzburg unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Schneider wurde mit Kindern im Vorschulalter ein Trainingsprogramm zur phonologischen Bewusstheit, bestehend aus insgesamt 57 "Sprachspielen", durchgeführt. Die Forscher fanden heraus, dass die trainierten Kinder den untrainierten Kinder im Lesen und Rechtschreiben signifikant überlegen waren.

Das heißt also, man kann vor allem Legastheniker schon helfen, bevor überhaupt Probleme auftreten. Das bedeutet weniger Tränen, Stress, Unsicherheiten und Schulängste. Die Kinder können spielerisch an die Buchstaben herangeführt werden, und so die Grundbausteine des Lesens und Schreibens erwerben.

Wie kann man das Kind schon effektiv und spielerisch im Kindergartenalter fördern? Durch wiederholte Speicherung und Einprägung der Buchstaben über die verschiedenen Sinne: Sehen, Hören und Tasten. Am besten kann man das in Form von Spielen machen.

Hier ein paar Anregungen:

Spiel 1:
Das bekannte "Ich sehe was, was du nicht siehst und es fängt mit (z.B.) E an ". Dieses Spiel macht auf den ersten Laut eines Wortes aufmerksam. Wenn Sie dazu noch den Buchstaben mit dem Finger auf den Tisch schreiben oder in den Sand, wenn Sie sich gerade am Meer aufhalten, werden alle Sinne gleichzeitig angesprochen.

Spiel 2:
Ein schönes Spiel für den Kindergeburtstag oder wenn mehrere Kinder zusammen sind. Die Kinder bewegen sich frei im Raum und hören Musik. Wenn die Musik aufhört, nennen Sie einen Laut und die Kinder laufen zu einem Ort, der vorher diesem Laut zugesprochen wurde.

Beispiel:
M = Sie laufen zu einer Mauer;
F = zu einem Fenster;
B = sie setzen sich auf den Boden.

Spiel 3:
Auch beim bekannten "Kofferpacken" kann spielerisch mit dem Buchstaben R anfangen. "Also, ich packe meinen Koffer und nehme einen Rock mit." Dabei den Buchstaben immer mit dem Zeigefinger der Malhand auf den Tisch vorschreiben.

Mit diesen lustigen Spielen macht Ihr Kind bereits vor Eintritt in die Schule positive Erfahrungen mit dem Umgang von Buchstaben und Lauten. Wichtig ist hierbei, dass man die Buchstaben immer phonetisch ausspricht: nicht "be", sondern "b".

Joe Kennedy, Leiter des Tuttlinger Instituts "Kreatives Lernen" ist Lehrer und Erzieher und setzt sich seit 29 Jahren für Kinder und Jugendliche mit Lernproblemen ein. Erfahren Sie, wie Sie Ihrem Kind helfen können und erhalten Sie jede Menge gratis Tipps zum Thema Legasthenie, Rechenschwäche, ADS und vieles mehr.
< zurück   weiter >